Levin Goes Lightly
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Wann
Samstag, den
09. November 2019
20:30 Uhr
Preise
ab 13,10 EUR
Wo
THE CAVE
Brönnerstraße 11
60313 Frankfurt am Main
Info
Lieferung: no info
Levin Goes Lightly
Levin Goes Lightly
Die Hüllen fallen lassen. Den Schutzpanzer ablegen. Nackt sein. Levin Stadler bricht mit dem Gewohnten.
Dabei hätte doch alles beim Alten bleiben können. Sein Projekt Levin Goes Lightly hat schließlich in letzter
Zeit viele Adelungen erhalten: Die Cover-Version, die Levin von Iggy Pops „Nightclubbing“ eingespielt hatte,
drang bis zum Meister selbst durch und dieser spielte sie prompt in seiner BBC-Radioshow. Neulich meldete
sich dann Trentemøller, um den Song „1989“ auf einer von ihm herausgegebenen Compilation verwenden zu
dürfen.

Levin Goes Lightly wird also längst jenseits der üblichen Barrieren deutscher Pop-Musik wahrgenommen. Es
hätte auch beim jetzt erscheinenden, vierten Album „Nackt“ stilistisch genauso weitergehen können. Doch
Levin lag noch nie so viel daran, das Erprobte nur deshalb weiterzuführen, weil es sich wohlig anfühlt. Live
umgab er sich von Beginn an mit wechselnden Musiker_innen, wurde dabei unter anderem schon von Max
Rieger (Die Nerven) unterstützt. Seit dem letzten Album „GA PS“ wandelte sich Levin Goes Lightly nun vom
Solo- zum kollaborativen Projekt: Die Songs auf „Nackt“ entstanden gemeinsam mit Thomas Zehnle (u.a. Wolf Mountains) und Paul Schwarz (u.a. Human Abfall).

Bald nach dem Release von „GA PS“ im Jahr 2017 machten sich die drei regelmäßig auf den Weg nach
Frankreich, um dort in einem abgelegenen Landhaus an neuen Ideen zu arbeiten. Angeregt von der rustikalen Seltsamkeit dieses Ortes entwickelte sich die Lust daran, in Sachen Songwriting das bislang Ungekannte anzugehen. Die offensichtlichste Veränderung, die daraus entsprang: Levin textet nun gänzlich auf Deutsch.

Nur verwendet er diese Sprache nicht in dem ihr innewohnenden Rhythmus, sondern spielt mit ihr, produziert
Irritationen und Doppeldeutigkeiten: „Wir fahren gegen die Berge / zusammen“ („Alles In Blau“).
An manchen Stellen klingen die Texte auf „Nackt“ nach blumiger, amerikanischer Metaphorik, um dann im
nächsten Moment die unverhüllte Brutalität der frühen NDW-Bands an den Tag zu legen. In „Stroboskop“
äußert Levin schließlich mit dunklem Timbre seine Lust, beinahe in der Manier Gabi Delgados (D.A.F.): „Tanz’ mit mir!“ Der Gesang liegt schwer auf einem verschrobenen Dream Pop-Beat mit subtilem, tiefem Bass.

Die Musik auf „Nackt“ ist weiterhin an der melodiösen, psychedelischen Pop-Schönheit orientiert, die man von Levin Goes Lightly bereits kennt. Doch mehr denn je hört man hier und da eindringliche Dissonanzen
durchklingen, wie sie vielleicht nur die morbiden Untiefen der Grubenstadt Stuttgart hervorbringen können. Da ist der Song „Rote Lippen“, der sich mit hallenden Gitarren zu einer durchdringenden My Bloody Valentine- Dichte emporwindet. Oder der Titeltrack, der wie Depeche Mode zur „Violator“-Zeit hypnotische Synthesizer beschwört: „Keine Angst, du bist nicht nackt / nur ungeschminkt.“

„Nackt“ trifft uns genau dort, wo wir in diesem Zeitalter des virtuellen Versinkens am verletzlichsten sind, bei
der realen Nähe, bei der es kein digitales Verzerren, kein Beschönigen gibt. Levin entledigt sich dabei selbst
seines Schutzpanzers, kann sich nicht mehr hinter englischen Texten verstecken. Greifbar oder gar konkret
wird dadurch aber nichts: Levin Goes Lightly bleibt eine androgyne Erscheinung zwischen der faszinierenden
Kälte eines Ziggy Stardust und der tröstenden Intimität eines Crooners vergangener Zeiten.
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